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Mama, ich mag das nicht!

Mama, ich mag das nicht!

Was tun, wenn Kleinkinder das Essen verschmähen

Wir Eltern kennen das vermutlich alle: da hat man stundenlang in der Küche gestanden um dem Nachwuchs eine besonders ausgewogene und schmackhafte Mahlzeit zuzubereiten und dann wird alle Mühe mit nur einem einzigen vernichtenden Blick zerschlagen. „Mama, ich mag das nicht“ ist ein Satz, der uns in dieser oder ähnlicher Form wahlweise zur Weißglut treiben, zum Weinen bringen oder an unserem Glauben und unseren Fähigkeiten als Eltern zweifeln lassen kann. Dabei muss noch nicht einmal der Mund aufgemacht werden. Ein weggedrehter Kopf oder zusammengepresste Lippen signalisieren schon ab dem Beikost-Alter wenn das Kind nicht so will, wie wir es wollen: grunzend hungrig und jeden Bissen lechzend vor Appetit verschlingend.

In der Realität sieht das natürlich anders aus und wenn du diesen Artikel liest hast du höchstwahrscheinlich auch die ein oder andere Herausforderung mit einem „schwierigen Esser“ am heimischen Esstisch sitzen und suchst nach der ultimativen Brei-Formel und den besten Essens-Hacks für Eltern. Aus eigener Erfahrung als Dreifach-Mama kann ich dir sagen, dass wirklich jedes Kind anders ist und anders isst und das sich die kindlichen Essgewohnheiten gerne entlang der Entwicklungsphasen und -schübe mit verändern. Die gute Nachricht also zuerst: es ist alles nur eine Phase!

Was heißen aber nun diese Entwicklungsphasen konkret?

Wenn ein Baby mit der ersten Beikost anfängt, kennt es die Bedeutung und Funktion von Nahrung noch nicht und kann im Prinzip einen Löffel Brei nicht vom Babybeißring oder dem lustigen Mobile unterscheiden. Dieses neue „Spielzeug“ ist interessant und macht Spaß aber will erst einmal mit allen Sinnen erkundet werden. Im Laufe der nächsten Monate lernt das Baby durch Erfahrungswerte, dass die kleinen Mahlzeiten satt machen, beruhigen, gut tun und lecker schmecken. Erst wenn diese Verbindung erlernt ist, möchte das Baby mehr von fester Nahrung und erkennt diese tatsächlich auch als Nahrungsquelle an. Bei dem einen Kind geht das sehr schnell (manche Kinder reißen ihren Eltern ja vom ersten Tag an den Löffel aus der Hand), beim Anderen dauert es etwas länger. Nicht umsonst gibt es im Englischen ja auch den Spruch: „Food before one is just for fun!“ – also das Essen im ersten Lebensjahr ist rein zum Vergnügen da beziehungsweise zum spielerischen Erkunden. In diesem Spruch steckt viel Wahrheit, denn zu diesem Zeitpunkt erhält das Kind noch weiterhin Muttermilch oder eine Säuglingsnahrung als weitere Hauptnahrungsquelle und kann so im eigenen Rhythmus und Tempo die Welt der Kulinarik für sich entdecken. Mein bester Tipp an frischgebackene Eltern eines Beikost-Kindes, wo der Appetit noch sehr auf sich warten läßt: Habt Geduld! Euer Kind gibt das Tempo vor! So quälend das manchmal sein mag, wenn im Umfeld vermeintlich alle Kinder schon „richtig“ essen und gefühlt „bessere“ Esser sind. Wie in jedem Entwicklungsschritt gibt es da bei Kindern kein richtig oder falsch, kein besser oder schlechter. Hört auf, euer Kind zu bewerten und lasst es einfach im Vertrauen seine eigene kleine Welt erkunden. Die schnelle Gewöhnung an feste Nahrung hat weder gesundheitliche Vorteile (der Magen-Darm-Trakt reift ja langsam erst aus) noch muss ein Nährstoffmangel befürchtet werden, insofern das Baby weiterhin gestillt oder mit einem Fläschchen versorgt wird.Meistens gibt es bei den – in Bezug aufs Essen – langsameren Babys um den ersten Geburtstag oder kurz danach einen Reifesprung und das Kind hat plötzlich sichtlich mehr Spaß und Verlangen nach fester Kost.

Wenn das Kind am Familientisch mitisst

Sobald das Kind nun ein Jahr oder älter ist, wird es vermutlich mehr oder weniger mit am Familientisch sitzen und der elterliche Fokus wird immer weniger auf separate Mahlzeiten gelegt werden. Zum Einen wollen Kinder das auch, diese Teilhabe und Gleichberechtigung auf dem Teller; zum Anderen fängt damit meistens die Ära des Verschmähens an. Beides hat entwicklungsphysiologische Gründe: Erstens liegt es in der Natur des Kindes durch Nachmachen und Abschauen von seinen Eltern zu lernen. Es ist ja mit seinem Leben abhängig von Ihnen. Gute Gründe es den eigenen Eltern gleich machen zu wollen und ihren Fußstapfen bzw. ihrem Teller zu folgen. Das vermittelt dem Kind erst einmal Sicherheit und Zugehörigkeit. Zweitens jedoch erweitert sich mit zunehmendem Alter der kindliche Horizont, es wird unternehmerischer und selbstständiger. Die Natur hat an dieser Stelle einen sinnvollen Mechanismus eingebaut, damit sich das Kind – auch ein paar hunderttausend Jahre zurück gedacht – nicht gleich die nächstbeste Tollkirsche oder den leuchtenden Giftpilz in den Mund steckt. Es fängt an, seine Mahlzeiten kritisch zu betrachten, vorsichtig erstmal zu riechen, zu fühlen, zu tasten und zu probieren, bevor ein ganzer Löffel einfach blindlings verzehrt wird. Damit einher verändern sich vielleicht auch geschmackliche oder optische Vorlieben des Kindes. Während bislang vieles wahllos geschluckt wurde, dreht das Kind plötzlich jedes Reiskorn und jede Bohne dreimal um, bevor diese eventuell den Weg in die Mundhöhle schaffen. Viele Kinder bevorzugen in dieser Phase übersichtliche Teller, auf denen die einzelnen Lebensmittel gut zu unterscheiden sind und nicht ein Gemisch aus verschiedenen Zutaten jedes Einzelne unkenntlich macht. Lustigerweise gehen Suppen oder andere pürierte Gerichte aus vielen Zutaten, die aber nur eine Oberfläche bzw. Textur zeigen, dem Kind also ein Lebensmittel suggerieren, meist genauso gut.

Das Auge isst mit

Um deinem Kind den Teller schmackhaft zu machen kann es auch helfen auf andere optische Faktoren wie die Form und Farbe der Lebensmittel einzugehen und eine spielerische Herangehensweise zu entwickeln. Jedes Kind hat nun mal andere Vorlieben. Bei uns stehen zur Zeit beispielsweise Bälle ganz hoch im Kurs und wenn nicht direkt die Aufforderung an mich kommt: „Mama, Ball!“ dann weiss ich zumindest dass, sobald ich die Mahlzeit in Form kleiner Bälle presse, es spätestens dann einen Abnehmer finden wird 😉 Ein weiterer Punkt ist die Konsistenz der angebotenen Mahlzeit. Vielleicht steht dein Kind mehr auf fest und knackig oder ein anderes auf weich und breiig. Da gilt es einfach auszuprobieren und Vorlieben abzuspeichern. Neben den optischen gibt es natürlich noch viele weitere Gründe für einen großen oder kleinen Appetit. Vielleicht ist dein Kind gerade mitten in der Autonomiephase und will einfach nicht gefüttert werden? Dann versuch’s mal mit Fingerfood. Vielleicht ist dein Kind total müde und erschöpft vom Tag? Dann probiert eure Mahlzeiten im Tagesrhythmus umzuplanen. Vielleicht ist genau diese Mahlzeit zu heiß oder kalt? Bedenke auch den sensiblen Gaumen von Kindern, die auf Gewürze und Geschmäcker einfach noch viel intensiver reagieren als Erwachsene.

Psychologische Gründe für kindliches Essverhalten

Je älter das Kind wird, desto mehr nimmt es seine Umgebung allgemein und die berühmten „Knöpfe“ der Eltern, die es drücken kann, insbesondere wahr. Vielleicht beobachtet ihr auch, dass unterschiedliches Essverhalten der Eltern zur Verweigerung von Mahlzeiten beim Nachwuchs führt? Denk‘ an deine Vorbildfunktion: dein Kind schaut sich sein Essverhalten von dir ab. Gleichzeitig kannst du noch so viel Obst und Gemüse essen, wenn zum Beispiel das Kind beim anderen Elternteil beobachtet, das Gemüse verschmäht wird, kann es ruckzuck diese Verhaltensweise übernehmen. Manchmal wird dein Kind auch die Verweigerung von Nahrung benutzen um dich aus deiner Komfortzone zu locken und deine Reaktion zu testen, um mit dir zu spielen oder seine Macht zu demonstrieren. Vielleicht ist es auch nur der Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit. Unsere Kinder merken bekanntlich ziemlich schnell, was uns wichtig ist und wo sie uns „kriegen können“. Auch da gilt es locker zu bleiben und den Druck raus zu nehmen. So schwer und nervig es auch sein mag, wenn die lieben Kleinen mal wieder unsere Nährstoff-optimierte Hauptmahlzeit nicht anrühren wollen – Zwang oder negative Erfahrungen für das Kind bewirken da gar nichts oder besser gesagt sind kontraproduktiv. Schliesslich wollen wir ja, das unser Kind mit Lust und Appetit isst und mit gemeinsamen Mahlzeiten etwas Positives verbindet. Insofern ist da eher deine Kreativität gefragt: wie kannst du deinem Kind das Essen schmackhaft machen? Hast du vielleicht einen lustigen Namen für das Gericht? Macht dieses eine Lebensmittel ein quietschendes Geräusch beim Verzehr? Könnt ihr ein Wettessen veranstalten in dem es nur einen Teller auf dem Tisch für alle gibt? Es müssen nicht immer die guten Tischmanieren sein. Essen darf auch Spaß machen und erlebt werden.

Vertrauen und Beteiligung für ein freudvolles Essen mit Kleinkindern

Um dem Kind möglichst positive Erlebnisse mit Essen zu ermöglichen ist es wichtig, es Freude an seinen Mahlzeiten haben zu lassen, so dass es in Zukunft auch gerne isst. Eine ganz einfache und tolle Möglichkeit dies zu fördern ist Beteiligung. Jedes noch so kleine Kind möchte als gleichberechtigter Teil der Familie mit seinen Bedürfnissen, Wünschen und Vorlieben gesehen werden. Kinder ahmen ihre Eltern nach um aus deren Verhalten zu lernen und sie sind in der Regel sehr hilfsbereit. Ja sie wollen sogar unbedingt mitmachen! Sei es beim Tisch decken, Quatsch machen oder beim Spielen. Schon das kleinste Kind kann einfache Aufgaben übernehmen, einen Löffel halten und so zum Gesamterlebnis der Familie beitragen. Du als Eltern musst deinem Kind einfach nur vertrauen, es auch mal machen lassen, es miteinbeziehen und vor allen Dingen den Druck raus nehmen.

Konkrete Schritte auf dem Weg zu mehr Freude am Familientisch

  • Frag‘ dein Kind, was es essen möchte
  • Nehme dein/e Kind/er mit zum Einkaufen
  • Kocht gemeinsam, lass dein Kind mit Gemüse waschen, schnibbeln, den Topf umrühren oder Brote schmieren, den Tisch decken…was mit gemacht wurde, muss in der Regel auch probiert werden
  • Nimm den Druck raus, habe selber Freude am Essen, sagt euch wie lecker es schmeckt oder was ihr besonders gerne mögt
  • Richte die Teller für das Auge ansprechend und kindgerecht an
  • Versuch’s mal mit unterschiedlichen Texturen (fest, weich etc.)
  • Lade dein Kind explizit ein zu essen, findet euer individuelles Ritual zum Essenstisch
  • Mach’s spannend: Gib den Lebensmitteln lustige Namen, erfinde eine Geschichte zu der Mahlzeit
  • Esst mal gemeinsam von einem Teller
  • Verstecke unbeliebtes Gemüse: zum Beispiel in die Sauce püriert oder geraspelt im Gebäck
  • Biete vermehrt die Dinge an, die dein Kind mit Sicherheit mag
  • Hänge dir die vegane Lebensmittelpyramide in der Küche auf und checke täglich, ob ein Lebensmittel aus jeder Kategorie bei euch auf den Tisch kommt. Notiere dir zu jeder Kategorie Lebensmittelbeispiele und Rezeptideen!
  • Schaffe andere Rahmenbedingungen: Wechselt mal die Umgebung, esst unterwegs oder macht ein Spiel draus
  • Experimentiere mit der angebotenen Form: Manch einer mag’s lieber püriert, der/die Andere im ganzen Stück, biete beispielsweise einmal Reis mit Bohnen an und im Wechsel die gleichen Zutaten als Gemüsebratling und dann schau was besser ankommt. Notiere mal für eine Woche: welche Konsistenz und welche Geschmäcker mag das Kind? Was sind seine Lieblings-Lebensmittel die es immer wieder isst?
  • Shake it, Baby! Wenn feste Nahrung generell nicht gut ankommt mixe mal ein paar leckere und nahrhafte Shakes oder koche vermehrt Suppen & Breie
  • Pimp your food: Integriere Nährstoff-dichte Allrounder wie grüne Pestos und Saucen in eure Mahlzeiten, bestimmte Zutaten die es überall drüber gibt.
  • Safety first: Wenn du dich um die Nährstoffversorgung deines Nachwuchs‘ sorgst, hilft es dir vielleicht ein Superfood-Pulver in eure tägliche Ernährung mit einzubauen.
  • Snack attack: Biete täglich mehrere Zwischenmahlzeiten an
  • Keep cool! So schwer das manchmal sein mag: das Wichtigste überhaupt ist entspannt zu bleiben, dem Kind zu vertrauen, immer wieder anzubieten, geduldig zu bleiben. Es ist alles nur eine Phase!

die vegane Lebensmittelpyramide

Vor einem vollen Teller ist noch kein Kind gestorben

Eigentlich beinhaltet dieser Spruch nur eine Halbwahrheit. Einerseits plädiere ich ganz klar dafür, mehr Vertrauen in unsere Kinder zu entwickeln und sie ihren eigenen Weg in ihrem eigenen Tempo gehen zu lassen. Auch und insbesondere beim Thema Essen. Auf der anderen Seite darf das auf keinen Fall ein Freifahrtschein für uns Eltern sein, die Ernährung unserer Kinder schleifen zu lassen oder uns nicht immer wieder selbst zu fragen und zu hinterfragen ob wir wirklich das Bestmögliche für unseren Nachwuchs auf den Tisch bringen. Denn letztendlich liegt es in unserer Verantwortung als Eltern, unsere Kinder mit nährstoffreicher, naturbelassener und abwechslungsreicher Kost zu versorgen, die lecker schmeckt und das Kind mit allen wichtigen Bausteinen für gesundes Wachstum versorgt und ausreichend Energie für einen langen Tag voller Action und Bewegung gibt.

Also haut rein, schwingt die Kochlöffel und lasst euch den Spaß nicht verderben!

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Hier geht’s zum Terminkalender >>>

 

 

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