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Meine Hausgeburt als Alleingeburt im Geburtspool

Meine Hausgeburt als Alleingeburt im Geburtspool

In diesem Geburtsbericht schildere ich meine Erfahrung einer ungeplanten Alleingeburt als Wassergeburt zuhause im Geburtspool.

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Wir zählen ET+16. Die letzten Tage waren eine Geduldsprobe. Obwohl ich mich bewusst entschieden habe, solange auf das Baby zu warten bis es selbst den richtigen Zeitpunkt seiner Geburt bestimmt, bin auch ich nicht immun dagegen, als die „normalen“ 14 Tage nach dem errechneten Termin verstreichen und weiterhin nichts passiert. Tagsüber bin ich entspannt, gebe mich hin und lasse los, aber nachts wache ich auf und denke „das ist doch Folter!“ 😅
Die westlich-medizinische Prägung hat auch bei mir Spuren hinterlassen und der Kleine stellt mich gerade auf eine harte Vertrauensprobe. Aber ich bin mir sicher den richtigen Weg zu gehen, da es uns beiden hervorragend geht und das Baby sich weiterhin viel im Bauch bewegt. Nach wie vor das beste Indiz, dass es dem Kind gut geht.

 

Dass ich zuhause gebären möchte, wie auch bei meiner letzten Tochter, steht für mich von Anfang an fest und den Geburtspool von Birthpools habe ich auch rechtzeitig geschickt bekommen. Schon bei meiner letzten Geburt hat sich Wasser als hilfreiche Entspannung bestätigt und mir sehr geholfen, die Intensität der Geburt abzufedern und besser mit den Wellen umzugehen. Ausserdem finde ich es für mich und das Kind die sanfteste Art und Weise den Übergang vom Leben im Bauch hin zum Ankommen außerhalb des Mutterlaibs zu gestalten. Deshalb bin ich unglaublich dankbar und happy, dass das Team von Birthpools sich bereit erklärt hat, mir einen ihrer professionellen Pools zu sponsorn und mich mit einem unglaublich tollen Toolkit zu unterstützen, dass alles enthält, was werdende Eltern für eine Wassergeburt benötigen. Rückwirkend kann ich aus Erfahrung sagen, dass sich so ein Pool auch im Vergleich zur eigenen Badewanne (meine letzte Hausgeburt im Wasser) nochmal total lohnt wegen der Wassertiefe (ich konnte in den Wellenpausen mit einer Kopfbewegung mein Gesicht im Wasser abkühlen und erfrischen) und wegen des weichen Materials. Und die praktischen Griffe geben nochmal Halt und Stabilität.

Mein Geburtspool im Wohnzimmer bei Nacht

Am Abend des 28.11 ärgert mein Mann mich nochmal mit ein paar blöden Kommentaren, vielleicht löst der Ärger den ersehnten Geburtsbeginn aus 😋 Auf jeden Fall spüre ich abends um 22h die ersten vorsichtigen Eröffnungswellen. Die nächsten Stunden kann ich noch gut im Bett liegen bleiben und die Wellen veratmen. Ich schicke meiner Geburtsbegleiterin eine Nachricht, dass eventuell diese Nacht das Baby kommt, so dass sie Bescheid weiss bevor sie schlafen geht und informiere noch meinen Mann.

In der Eröffnungsphase, in der ich mich gerade befinde, hilft mir am Besten weites, regelmässiges Atmen und Autogenes Training. Ausserdem ist dies eine perfekte Gelegenheit um die eigene Wahrnehmung, die eigenen körperlichen Empfindungen zu analysieren und genau hinzufühlen, was im Körper gerade vor sich geht und wie sich das wirklich neutral benennen liesse. Zum Beispiel Druck, Dehnung oder auch Dichte statt Schmerz. Wahrnehmung statt Bewertung. Eine ganz praktische Technik, die ich ebenso anwende ist die Zupfmassage am unteren Rücken. Denn unser Gehirn kann nicht mehrere Schmerzpole oder Empfindungen gleichzeitig verarbeiten und mit dem Druck im Rücken lenke ich meine Wahrnehmung quasi von anderen Empfindlichkeiten der Geburt ab.

Gegen 2h morgens sind die Wellen dann so stark, dass Liegen unbequem wird und ich mich bewegen will. Also gehe ich ins Wohnzimmer und leiste dort allein im Dunkeln meine Geburtsarbeit. Irgendwann kommt mein Mann, der auch schon längst nicht mehr schlafen kann, hinzu. Ich schicke der Geburtshelferin einen Text, dass das Baby ganz sicher unterwegs ist und wir sie kontaktieren 30 Minuten, bevor mein Mann sie abholt. Das entspricht genau dem Fahrtweg für eine Strecke.

Ich spüre dass ich in die Übergangsphase komme, die sich bei mir immer durch eine latente Übelkeit und die mit Abstand intensivsten Wellen auszeichnet. Was mir hier besonders hilft, ist der Gedanke dass es nur mein Körper ist, der seine Arbeit macht und ich mich mental davon abkopple. Im Übrigen auch ein Geschenk aus einer der spirituellen Verbindungen zum Kind, dass ich es in einer ausserkörperlichen Erfahrung während der Geburt quasi über unseren Köpfen treffen kann um zu kommunizieren. Und so reise ich bei jeder extremen körperlichen Welle innerlich in die Sterne und warte einfach ab, bis die Welle vorbei ist.

Im Prinzip ist das nicht anders als beim Tauchen oder beim Surfen oder beim Schwimmen im Meer: Wenn du nicht gelernt hast, die Welle zu reiten bzw. unter sie abzutauchen, dann haut sie dich um. Wenn du aber weisst, dass du einfach unter ihr durchtauchen kannst, weil du die Technik kennst, dann kann dir die grösste Welle nichts anhaben.

Ich sage meinem Mann dass es Zeit ist den Pool aufzubauen und er übernimmt das, während ich im Stehen in der Küche die intensive Übergangsphase verarbeite. Vom Rödeln mit dem Pool werden die Kids wach und sitzen sofort alle drei hellwach und kerzengerade im Bett: endlich wird ihr Bruder geboren!!! Die Freude ist riesig. Ich sage ihnen sie sollten noch kurz liegen bleiben und als der Pool voll ist macht mein Mann sich mit den Kids zusammen auf den Weg um die Geburtsbegleiterin abzuholen. Ich muss mich jetzt voll und ganz auf mich selbst konzentrieren und kann keine Ablenkung geschweige denn fragende Kinder mehr gebrauchen.

Es ist circa 5h morgens des 29.11.2021 als sie aufbrechen und ich denke mir noch, dass es knapp werden könnte, aber dann sind sie schon weg. Ich begebe mich in den warmen Pool, in dem ich gebären möchte und nach einem Moment der Entspannung kommt auch schon die erste Presswehe. Ich gebe mich voll dem Wasser und den Wellen und der Erleichterung und Klarheit hin, die diese Geburtsphase mit sich bringt. Keine Schmerzen, keine Ablenkung, niemand der mich stört. Ich gebe mich vollkommen dem Moment und der Geburt hin und fühle selbst mit einer Hand, wie das Kind sich Welle für Welle durch den Geburtskanal schiebt und immer näher kommt. Noch bin ich mir unsicher was das für ein Körperteil ist, den ich da in mir ertasten kann, denn der Kleine hat sich ja bis zuletzt fleissig in mir gedreht. Dann steht die Geburt kurz bevor. Ich bin absolut klar, ganz bei mir, vollkommen sicher. Und schwupps, wird der Kopf geboren. Kein Schmerz, kein Brennen, kein Ausnahmezustand. Ich streichle vorsichtig das Haupt unter Wasser zwischen meinen Beinen und wechsle von den Knien auf die Füße damit ich das Kind besser in Empfang nehmen kann. Mit der nächsten Welle wird der Rest des Körpers geboren und ich nehme den Kleinen hoch zu mir auf die Brust. Da die Nabelschnur halb um den Hals liegt muss ich ihn nochmal kurz untertauchen um das zu entwirren und dann liegt er da auf mir. So winzig klein und ganz ruhig. Kein Geschrei, nur ruhiges Atmen und Stille. Nur er und ich alleine im schummrigen Wohnzimmerlicht. Für einen Moment bleibt die Zeit stehen. Wie magisch dieser Moment! Ich begutachte ihn einfach, checke kurz das Geschlecht und verharre voller Bewunderung und Erfurcht für dieses Wunder. Nach wenigen Minuten fängt er an zu meckern und ich merke das es ganzschön kalt ist im Pool. Also greife ich das bereitgelegte Handtuch, stehe auf, wickle das Kind ein und gehe rüber ins Bett. Zudecken, warm halten, kuscheln und auf die Anderen warten. Nach ein paar Minuten fängt der Kleine an, nach der Brust zu suchen und nimmt ein paar erste ungeübte Saugversuche. Wir liegen einfach da und kommen an. Absoluter Frieden. Pure Magie.

 

Nach circa einer halben Stunde kommen die Anderen mit der Geburtsbegleiterin zurück. Sie hören schon von Draussen das Baby schreien und kommen aufgeregt ins Haus gelaufen. Da liegen wir. Glücklich und zufrieden. Ruhig und friedlich. Alles ist gut. Mein Mann gibt mir einen Kuss und lugt unter die Decke. Wir müssen alle lachen. Ein bisschen tuts mir ja leid für ihn, dass er die Geburt seines Sohnes verpasst hat, aber für mich war dieser magische Moment der Zweisamkeit das grösste Geschenk. Ich fühle mich wahrlich als Meisterin der Geburt und bin einfach nur glücklich und dankbar dass alles genauso und noch schöner gekommen ist als ich manifestiert hatte!

Meine Geburtsbegleiterin unterstützt mich in den folgenden Stunden noch bei der Plazentageburt und schaut nach, ob keine grösseren Verletzungen entstanden sind. Dann nabelt mein Mann das Baby ab, wir messen und wiegen es und er zieht den Kleinen zum ersten Mal an. Ich gucke verliebt zu. Die Kids kommen jetzt auch dazu und bestaunen neugierig ihren Bruder und das ganze Geschehen, die Nachgeburt und die Werkzeuge der Hebamme.

Inzwischen ist es hell geworden und wir haben alle Hunger. Also frühstücken wir noch alle gemeinsam feierlich bevor mein Mann die Geburtsbegleiterin wieder nach Hause fährt. Die Kids rennen derweil freudig zu den Nachbarn spielen und verkünden dort die Frohe Botschaft.

Der Kleine und ich machen es uns im Bett, in unserem Nest für die nächsten Tage, bequem und er schläft sofort ein. Besonders süss ist ja zu sehen, wie verliebt, vorsichtig und stolz die grossen Geschwister mit ihrem neuen Bruder umgehen! Und ich freue mich, dass sie, wenn auch schon sie die eigentliche Geburt verpasst haben, bei der ich sie auch gern dabei gehabt hätte, so doch das ganze Geschehen drum herum, alle beteiligten Organe und Körperflüssigkeiten sowie auch einfach die Normalität und Freude des ganzen Geschehens doch hautnah miterlebt haben 🙏

Diese Geburt und dieser Tag wird eine bleibende Erinnerung und einen ganz besonderen Platz für immer in unser aller Herzen innehalten und ich bin zutiefst berührt und beseelt das ich diese wunderbare Erfahrung meiner Alleingeburt im Zeichen meiner Kraft erleben durfte.

 

 

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